Natur im Gespräch - 5 Fragen an Susanne Steinhoff

Über schlechtes Wetter, gute Bilder und neue Wahrnehmungen

Regen, Nebel, Wind oder grauer Himmel gelten für viele als klassische Ausreden, die Kamera zu Hause zu lassen. Dabei entstehen gerade unter schwierigen Wetterbedingungen oft besonders ausdrucksstarke und ungewöhnliche Naturfotografien. Wetter beeinflusst Licht, Farben, Stimmungen – und auch unser eigenes Empfinden draußen in der Natur.

In der ersten Ausgabe von „Natur im Gespräch“ habe ich mit der Naturfotografin Susanne Steinhoff über genau dieses Thema gesprochen. In fünf Fragen erzählt sie, warum es für sie eigentlich kein schlechtes Wetter gibt, welche Herausforderungen sie selbst manchmal überwinden muss und wie gerade raue Bedingungen helfen können, Natur intensiver wahrzunehmen.

Impressionen von Susanne Steinhoff

5. Fragen 

1. Gibt es für dich in der Naturfotografie wirklich „schlechtes Wetter“, oder ist jedes Wetter eine Chance für besondere Bilder?
 

In der Naturfotografie an sich gibt es für mich kein wirklich „schlechtes“ Wetter. Ich bin der Meinung, man kann aus wirklich jeder Licht- und Wettersituation irgendetwas machen. Hartes Mittagslicht? Kein Problem – dann mache ich halt etwas Kontrastreiches, Aufnahmen im direkten Gegenlicht oder spiele mit den Spiegelungen der Sonne im Wasser.

Nebel ist perfekt für stimmungsvolle oder sogar ein wenig spooky Landschaftsaufnahmen. Regen kann ebenfalls zu ganz tollen Bildern führen, die man eher selten sieht. Hier gibt es allerdings einen Unterschied zwischen Fotografie und dem eigenen Empfinden: Ich gebe zu, ich gehe ungern bei Regen fotografieren, besonders in den kälteren Jahreszeiten. Zum einen, weil ich nicht gerne nass werde, und zum anderen, weil mein Equipment absolut nicht wasserfest ist.

Wind hingegen ist für mich kein schlimmer Gegner. Man kann ihn sehr gut für Langzeitbelichtungen nutzen – sei es vom Sturm durchgeschütteltes Laub oder eine Frühlingsblüte, die im Wind zittert.

 

2. Welche Wetterbedingungen empfinden viele Menschen als hinderlich – und warum können gerade diese für Naturfotograf:innen besonders spannend sein?

Ich denke, die meisten schrecken vor Regen zurück – siehe meinen ersten Punkt. Wenn man sich dann doch mal überwinden kann und seine Kamera gut eingepackt hat, können ganz wundervolle und auch ungewöhnlichere Aufnahmen entstehen.

Wasser ist in jeder Form ein sehr attraktives Motiv, es zieht die Menschen an. Ich denke dabei zum Beispiel an ein Wettbewerbsgewinnerbild einer nassen Meise, die gefühlt sehr grimmig in die Kamera blickt. Dieses Bild hätte ohne den Regen komplett seine Wirkung verfehlt.

 

3. Wie beeinflusst schlechtes Wetter die Stimmung, Farben und Bildwirkung in der Naturfotografie?

Die Farben werden durch das fehlende Sonnenlicht natürlich oft sehr flau. Besonders bei dem zurzeit allgegenwärtigen Hochnebel zeigt unsere Umgebung wenig Abwechslung. So entstehen häufig eher gedeckte, ruhige Bilder – was aber überhaupt nicht schlimm sein muss.

Ganz im Gegenteil: Gerade Fotos mit dichtem Nebel transportieren Stimmungen, die man sonst selten einfangen kann. Alles wirkt geheimnisvoll, der oft unruhige Hintergrund verschwindet und man kann zum Beispiel besonders schöne Bäume sehr gut freistellen. Die Bildwirkungen sind insgesamt ruhiger.

Im Frühjahr wünsche ich mir bei der Makrofotografie sogar oft einen bedeckten Himmel, um grelle Spitzlichter und zu harte Kontraste zu vermeiden.

 

4. Was ratest du Einsteiger:innen, die sich bei Regen, Kälte oder Nebel nicht nach draußen trauen?

Man muss sich überwinden – auch ich muss das bei fiesem Wetter. Für mich ist das A und O das richtige Einpacken: sowohl mich selbst als auch meine Kamera. Fotografieren mit der ständigen Angst vor eindringender Nässe macht schnell keinen Spaß mehr.

Gegen Kälte habe ich mir zwei wieder aufladbare Taschenheizungen gekauft. Damit kann man sich wunderbar die eingefrorenen Finger wärmen. Gute Handschuhe tun ihr Übriges. Und wenn es richtig kalt wird, habe ich sogar beheizbare Schuhsohlen – das lässt einen ein wenig länger durchhalten.

 

5. Kann schlechtes Wetter helfen, die Natur intensiver wahrzunehmen und bewusster zu genießen?

Auf jeden Fall. Gerade schlechtes Wetter kann dabei helfen, die Natur intensiver wahrzunehmen – aus einem ganz einfachen Grund: Man begegnet nicht so vielen Menschen. Man ist mit sich und seinem Hobby alleine und kann sich ganz darauf konzentrieren.

Im Wald kann man der Natur mehr zuhören, da sich die Tiere anders verhalten, als wenn Horden von Wanderern unterwegs sind. Dazu kommt noch das für einen selbst vielleicht Ungewohnte: Wie riecht der Boden, wenn er nass ist? Wie sehen die Pflanzen aus? Wie fühlt sich die Luft an?

Neue Eindrücke ergeben neue Ideen – und führen im besten Fall zu neuer Fotoinspiration.

 

 

Vielen Dank fürs lesen und schaut gerne mal bei Susanne vorbei.

 

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