Fototour an der Ostsee
von der Insel Poel bis zum Wohlenberger Wiek.
Manchmal beginnen die besten Erlebnisse mitten in der Nacht. Als um 3:30 Uhr der Wecker klingelte, schlief der Rest der Welt vermutlich noch, doch für uns begann das Abenteuer bereits. Unsere Fototour führte uns an die Ostsee, genauer gesagt an den Küstenabschnitt von der Insel Poel bis zum Wohlenberger Wiek. Vier Tage lang waren wir draußen unterwegs, auf der Suche nach Limikolen, besonderen Naturmomenten und natürlich nach dem perfekten Licht. Frühe Sonnenaufgänge, weite Strände und das Gefühl, fast allein in dieser Landschaft zu sein, machten diese Tour von Anfang an zu etwas Besonderem.

Bild von Falk Jordan
Tag 1 – Perfekter Start mit goldenem Licht
Der erste Morgen begrüßte uns mit absolutem Traumwetter. Am Wohlenberger Wiek erlebten wir einen Sonnenaufgang wie aus dem Bilderbuch: goldenes Licht, ruhiges Wasser und überall Vogelstimmen. Genau für solche Momente steht man freiwillig mitten in der Nacht auf.
Auch die Artenvielfalt konnte sich sehen lassen. Wir entdeckten unter anderem Großen Brachvogel, Austernfischer, Singschwäne und viele weitere Arten, die diesen Morgen prägten. Die Stimmung, das Licht und die Motive – besser hätte die Tour nicht starten können.
Nach dem Sonnenaufgang ging es für eine kleine Erkundungstour weiter an den Strand nach Zierow. Danach stand erst einmal das Einchecken in die Unterkunft auf dem Plan, einkaufen und natürlich Frühstück – nach so einem frühen Start absolut notwendig.
Dann wurden die Speicherkarten geleert und die ersten Bilder gesichtet und sortiert, denn am Abend sollte es natürlich weitergehen. So planten wir den weiteren Verlauf und nutzten die Chance für einen kleinen Mittagsschlaf.
Der Abend wurde dann leider ein wenig getrübt. Ich habe an diesem Tag gelernt, dass ich auf Sucuk reagiere. Mit Glutamat-Intoleranz ist das keine gute Kombination – Herzrasen und Verdauungstrakt lassen grüßen. Wieder was gelernt. Da wir aber natürlich nicht den Kopf in den Sand stecken wollten, ging es erst einmal zurück Richtung Unterkunft. Ich suchte bis dahin nach einer Erklärung, während Falk mit zwei Fotorucksäcken umgeschnallt unterwegs war. Als es mir dann wieder etwas besser ging, verweilten wir noch etwas am Strand, um hier noch ein, zwei Bilder umzusetzen.
Und wie das so ist als Fotograf, liegend am Strand, ließen die ersten Menschen nicht lange auf sich warten. Die übliche Frage: Was machen Sie da? Was fotografieren Sie da? Ah, Austernfischer – nur Austernfischer? Warum heißen die so? Nachdem dann auch der letzte Austernfischer das Weite suchte und uns die Lachmöwen lachend den Rücken kehrten, sind auch wir schließlich vor den Fragen geflüchtet.
Tag 2 – Insel Poel und meine ersten Säbelschnäbler
Am zweiten Tag klingelte der Wecker um 4:30 Uhr. Sonnenaufgang auf der Insel Poel stand auf dem Programm. Also fertig machen, ins Auto und los. Laut Navi etwa 40 Minuten Fahrt – Falk hat es in 30 geschafft, ohne gegen die Verkehrsregeln zu verstoßen. Wir hatten einfach eine grüne Welle.
Vor Ort angekommen, mussten wir erst einmal mit dem Parkscheinautomaten kämpfen. Nach einem kleinen Fußmarsch wurde zunächst die Lage gecheckt und wieder erwarteten uns einige tolle Arten: Austernfischer, Rotschenkel, Kiebitz, Dunkelwasserläufer und Sandregenpfeifer. Genau das, was wir uns auf so einer Tour erhofft hatten. Auf dem Rückweg zum Auto gab es dann noch ein paar nette Gespräche, ein bisschen Philosophieren und natürlich Planung für die nächsten Spots.
Am Auto angekommen, gab es erst einmal Kaffee und Frühstück – Fotografenleben.
Danach ging es weiter Richtung Ritenkoppel. Das Wetter wurde leider schlechter, aber das war in dem Moment völlig egal, denn ich konnte meinen ersten Säbelschnäbler sichten und fotografieren. Allein dafür hatte sich der Tag schon gelohnt. Danach ging es zurück in die Unterkunft, Bilder sichten und etwas ausruhen.
Am Abend gab es dann richtig gutes Essen: Steak und Salat, dazu ein oder zwei Bierchen – so lässt sich ein Fototag perfekt abschließen.
Tag 3 – Ausschlafen auf einer Fototour?
Der nächste Morgen sah wettertechnisch überhaupt nicht gut aus. Also passierte etwas, das ich auf einer Fototour noch nie erlebt habe: ausschlafen.
Also erst einmal gemütlich frühstücken und nebenbei in der App NaturaList stöbern, was so in der Nähe gemeldet wird.
Ganz ohne Fotografieren ging es dann aber doch nicht. Mittags fuhren wir noch einmal auf die Insel Poel, aber leider ohne Erfolg. Also machten wir uns auf den Weg Richtung Zierow mit einem kurzen Halt in Gägelow – denn dort gibt es die beste Bratwurst weit und breit.
Abends folgte der zweite Versuch an der Ritenkoppel. Das Wetter sah zunächst vielversprechend aus, auf den Feldern überall Feldhasen, die sich in die Flicken gedrückt hatten. Doch dann passierte etwas, das wir so noch nie erlebt haben: Innerhalb von nicht einmal zehn Minuten standen wir in dichtem Nebel – fast wie in einem Horrorfilm. Sicht gleich null. Also Abbruch und zurück in die Unterkunft, mit der Hoffnung, dass der letzte Morgen noch einmal gut wird.
Letzter Morgen – Mein Highlight
Der Optimismus war am Vorabend nicht mehr besonders groß, aber wie schon bei unserer Ankunft wurde der letzte Morgen am Wohlenberger Wiek zum absoluten Highlight der Tour.
Nachdem auch hier wieder ein wissbegieriger Herr wissen wollte, warum wir da so im Sand liegen, hatte ich ein Déjà-vu – alles flog auf und war erst einmal weg. Falk blieb professionell und stand Rede und Antwort. Nach etwa zehn Minuten suchte er das Weite und wir konnten uns wieder voll und ganz auf das Fotografieren konzentrieren.
An diesem Morgen konnte ich meine bisher schönsten Brachvogel-Bilder machen. Perfektes Licht, tolle Stimmung – und genau diese Momente sind es, warum man solche Touren macht.
Fazit
Die Tour hatte alles: Traumlicht, viele Vogelarten, Nebel, gutes Essen, zu wenig Schlaf und viele gute Gespräche.
Was ich außerdem gelernt habe:
Die beste Bratwurst gibt’s am Kaufland.
Löslicher Kaffee kann tatsächlich schmecken.
Das nächste Mal fahren wir im Herbst.
Die Ostsee ist einfach schön.
Und genau deshalb war es sicher nicht die letzte Fototour dorthin.

















