Natur im Gespräch

5 Fragen an Daniel Wendt zum Thema Naturschutz

Ich habe Daniel über eine Ornithologie-Gruppe kennengelernt. Schon nach kurzer Zeit war klar, dass er über ein beeindruckendes Wissen verfügt, wenn es um Flora und Fauna geht. Mit viel Leidenschaft und Herzblut setzt er sich für den Naturschutz ein und verbringt einen Großteil seiner Zeit draußen in der Natur. Auf unseren gemeinsamen Touren konnte ich selbst viel lernen und meinen Blick für die Natur schärfen. Umso mehr freue ich mich, dass er in diesem Format seine Eindrücke, Erfahrungen und Gedanken zum Thema Naturschutz mit uns teilt.

Bild von Daniel Wendt

Bilder von Daniel Wendt

Über Daniel

Ich bin Daniel und im schönen Havelland aufgewachsen. Als Kinder waren wir jeden Tag draußen, bei jedem Wetter, und der Wald war wie ein zweites Zuhause. Auch im Elternhaus wurde uns der Respekt vor der Natur und vor jedem Lebewesen schon sehr früh vermittelt. Für uns Kinder war das ein kleines Paradies – selbst im Schatten der Mauer, die direkt hinter unserem Garten verlief. Alles, was dahinter war, blieb für uns unerreichbar. Aber allen Barrieren zum Trotz flogen viele besondere Vögel einfach darüber hinweg. So sah ich in unserem Garten meinen ersten Wiedehopf, der Neuntöter saß in der Rosenhecke und die Heidelerche sang direkt über dem Wald am Grenzstreifen.
Eine Faszination und eine Liebe zur Natur, besonders zur Vogelwelt, wurden geweckt und halten bis heute an. Die unerreichbaren Gebiete von damals liegen jetzt offen, und heute kann ich dort aktiv mitgestalten und praktischen Naturschutz betreiben. Der Kindheitstraum ist geblieben: eins sein mit der Natur, Teil des Ganzen, um diese Schönheit auch für unsere Kinder zu erhalten. Und immer noch halte ich kurz den Atem an, wenn der Wiedehopf ruft.

 

5. Fragen 

 

1. Welche Veränderungen in der Natur hast du in den letzten Jahren bemerkt?

Es steht und fällt hier in unserer Gegend mit dem Wasser. Der Grundwasserspiegel sinkt immer weiter ab und viele besondere Biotope, wie unsere Niedermoore, fallen trocken. Das setzt eine Welle des Verschwindens in Gang: Insekten, Amphibien, Pflanzen und Vögel verlieren ihre Lebensgrundlagen in schwindelerregendem Ausmaß. Der Artenrückgang hat einen seismografischen Charakter. Der Kiebitz zum Beispiel verlor in wenigen Jahren über 90 Prozent seiner Population. Das liegt zum einen an fehlenden Frühjahrsüberschwemmungen auf den Wiesen, aber auch an der intensiven Landwirtschaft. In der auf- und ausgeräumten Landschaft haben die Tiere keine Chance. Wichtig wäre es, Flächen wieder zu vernässen, Moore zu schützen und Flächen dadurch herunterzukühlen, denn das kommt auch den angrenzenden Wiesen und Wäldern zugute. Aber: Am Anfang und auch am Ende der Veränderungen stehen wir Menschen.

 

2. Warum ist Naturschutz für Menschen, Tiere und Pflanzen wichtig?

Wie schon geschrieben, stehen am Ende der Entwicklung wir als Menschheit. Sobald Arten aussterben, trifft es die nächste Art – eine Lawine kommt in Gang, die irgendwann uns selbst erwischt. Naturschutz ist untrennbar verbunden mit dem Schutz aller Lebewesen, ob Pflanze oder Tier. Denn wir sind ein Teil des Ganzen und solange wir diese Trennung nicht überwinden, geht Naturschutz meistens ins Leere. Nur was ich kenne und liebe, kann ich auch erfolgreich schützen.

 

3. Was können wir im Alltag tun, um die Natur besser zu schützen?

Es fängt bei kleinen Dingen an: den Garten weniger aufräumen, um kleine Lebensräume für Insekten zu schaffen, die Vögel füttern, um ihnen die immer schwerer werdende Futtersuche etwas zu erleichtern, mit dem Rad fahren und das Auto auch mal stehen lassen, Müll einsammeln, den man im Wald findet – auch wenn es „nur“ eine Zigarettenkippe ist, die aber hunderte Liter Wasser verseucht. Kurze Auszeiten in der Natur schaffen, denn nur was ich kenne und liebe, kann ich auch schützen.

 

4. Welche Rolle spielen Nationalparks und Naturschutzgebiete für den Schutz der Natur?

Sie sind essenziell, wenn es darum geht, die Natur in Ruhe zu lassen und ihr die Entwicklung selbst zu überlassen. Die Erfahrung zeigt: Da, wo sich Habitate verbessern, wandern Tiere – und etwas langsamer auch Pflanzen – wieder ein. Wildkatze und Luchs sind dafür wunderbare Beispiele. Auch dort, wo zum Beispiel Wiesen wieder vernässt werden, blühen plötzlich Pflanzen, die teils jahrzehntelang in Samenruhe im Boden auf den richtigen Augenblick gewartet haben. Geschützte Gebiete sind Rückzugs- und Entwicklungsräume für eine von allen Seiten bedrängte Natur und werden immer wichtiger in einer sich rasant verändernden Umwelt.

 

5. Wie stellst du dir die Natur in 50 Jahren vor, wenn wir sie gut schützen – und wie, wenn wir nichts tun?

Wie schon geschrieben: Wir sind mit allem verbunden und mit der Natur schützen wir auch uns und unser eigenes Überleben. Bei allen schlechten Nachrichten bin ich optimistisch und glaube an Veränderungen, mögen sie auch noch so klein beginnen. In meiner Arbeit im Naturschutz habe ich so viele interessierte und engagierte Menschen getroffen, mit viel Liebe zur Natur, und das gibt mir Hoffnung, dass wir nicht nur regional, sondern auch global die Probleme lösen, die die Grundlage für unser aller Überleben sind: eine intakte Natur, in der alle Lebewesen ihren Platz finden.

 

Fazit

Besonders spannend finde ich seine Beobachtungen zum Thema Wasser, Artenrückgang und Lebensräume, denn vieles davon passiert direkt vor unserer Haustür, ohne dass wir es im Alltag wirklich bemerken. Seine Antworten zeigen sehr deutlich, wie eng alles miteinander verbunden ist und dass Naturschutz nicht irgendwo weit weg beginnt, sondern direkt bei uns – im Garten, im Wald, auf der Wiese oder auch durch unser tägliches Verhalten.

Ein persönlicher Punkt, der mir in diesem Zusammenhang wichtig ist: Soziale Medien sollten nicht nur dafür genutzt werden, schöne Bilder zu veröffentlichen, sondern auch, um Wissen zu vermitteln, Menschen für Natur und Umwelt zu sensibilisieren und Zusammenhänge zu erklären. Genau hier können Menschen wie Daniel mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung viel bewegen, indem sie nicht nur zeigen, wie schön Natur ist, sondern auch, warum sie Schutz braucht und was jeder Einzelne dazu beitragen kann.


 

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